Bayernbund Kreisverband München und Umgebung e.V. - Überparteilicher Zusammenschluss landesverbundener und staatsbewußter Bürger in und aus Bayern
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Biografie Kronprinz Rupprecht von Bayern

Die vollständige Fassung wurde von Professor Weiß im Rahmen einer Veranstaltung des Bayernbundes Kreisverbandes München in Anwesenheit seiner königlichen Hoheit Prinz Christoph von Bayern präsentiert.

Als Prinz Rupprecht Maria Luitpold Ferdinand von Bayern am 18. Mai 1869 in München geboren wurde, war Bayern noch ein souveränes Königreich. Der damals bereits etwas menschenscheue König Ludwig II. nahm als Pate persönlich an der Tauffeier teil.

Mit der Namenswahl knüpften die Eltern, Prinz Ludwig und Erzherzogin Maria Therese von Österreich, an die Pfälzer Tradition des Hauses an, hatten doch mehrere Kurfürsten und König Rupprecht III. diesen Namen getragen.

Die Mutter war als die Erbin der Häuser Este und Stuart die von jakobitischen Kreisen verehrte legitime Königin von England und Schottland und übertrug diese Anwartschaft auf ihren ältesten Sohn.

Im Anschluß an die im Königlichen Hause übliche Erziehung durch Privatlehrer besuchte Rupprecht ab 1882 als erster Wittelsbacher eine öffentliche Schule, das Münchner Max-Gymnasium. Hier legte er im selben Jahr, 1886, wie Ludwig Thoma in Landshut, das Abitur ab. Im Anschluß schlug er die militärische Laufbahn ein. Der junge Seconde-Leutnant schritt bei der Beisetzung König Ludwigs II. im Trauerkondukt mit. Nun schien festzustehen, daß er einmal der Erbe der Krone Bayerns werden würde. Er lernte alle Waffengattungen kennen und erhielt eine gediegene militärtheoretische Ausbildung in Taktik und Kriegsgeschichte an der bayerischen Kriegsakademie. Durchbrochen wurde der Militärdienst von Studien an den Universitäten München und Berlin, wo er in allen für einen künftigen Regenten wichtigen Wissenschaften unterwiesen wurde.

Liebe zur Kunst und Leidenschaft für Reisen verbanden sich in Rupprecht. Neben fast regelmäßigen jährlichen Fahrten oft in die Toskana und andere Regionen Italiens unternahm er große Fernreisen, nach Istanbul, nach Palästina, nach Indien sowie nach China und Japan. Die Erinnerung daran hielt er, in mit eigenen Photographien ausgestatteten Reisebüchern fest, die seinen sicheren Blick nicht nur für die künstlerischen, sondern auch für die ethnologischen, wirtschaftlichen und strategischen Besonderheiten der besuchten Länder verraten. Im bayerischen Heer durchlief er rasch und erfolgreich die Offizierslaufbahn. Daneben übernahm er in Vertretung seines Großvaters, des Prinzregenten Luitpold, repräsentative Aufgaben und arbeitete in der Kammer der Reichsräte und später im Staatsrat mit.

Am 10. Juni 1900 konnte er - gegen Widerstände in der eigenen Familie - die liebenswürdige junge Herzogin Marie Gabriele in Bayern aus der wittelsbachischen Nebenlinie heiraten. Das junge Paar richtete seinen ersten Hausstand in der Neuen Residenz Bamberg ein, wohin der Generalmajor als Kommandeur der 7. Infanteriebrigade kommandiert worden war. Die Ehe war von Tragik überschattet, fünf Kinder wurden geboren, darunter eine Totgeburt, zwei starben als Kleinkinder, Erbprinz Luitpold 1914 im Alter von 13 Jahren an Kinderlähmung. Nur Erbprinz Albrecht blieb am Leben. Die durch Krankheit und Trauer geschwächte Mutter, die Trost im Glauben wie in der Liebe ihres Mannes fand, erlag 1912 im Alter von nur 34 Jahren ihrem Leiden.

Im heißen Sommer 1914 brach der Erste Weltkrieg aus. Kronprinz Rupprecht zog als Oberbefehlshaber der 6. Armee, in der die drei bayerischen Armeekorps zusammengefaßt waren, ins Feld. Im Rahmen des Schlieffen-Plans sollte er den erwarteten französischen Hauptangriff in Lothringen auffangen. Als dieser ausblieb, entschloß er sich in eigener Verantwortung zum Angriff. In der Lothringen-Schlacht vom 20. August errang er den ersten bedeutenden deutschen Sieg, der ihm das Großkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens einbrachte. Im Herbst wurde seine Armee nach Flandern verlegt, wo sie sich bald im Stellungskrieg festrannte.

Kronprinz Rupprecht, ab 1916 Generalfeldmarschall, war nicht nur ein erfolgreicher Heerführer, sondern entwickelte auch Strategien für die gesamte Kriegsführung, die freilich bei der Obersten Heeresleitung wenig Beachtung fanden. Er reifte während des Krieges vom Offizier zum Feldherrn, vom auf repräsentative Aufgaben beschränkten Prinzen zum Staatsmann. Der ursprüngliche Anhänger eines Siegfriedens wandelte sich ab 1915 durch militärische wie durch politische Überlegungen zum entschiedenen Verfechter eines Verständigungsfriedens.

Im Zentrum des Denkens von Kronprinz Rupprecht stand das Wohl Bayerns. Er bemerkte die im Laufe des Krieges wachsende Gefährdung seiner souveräner Stellung durch den von preußischen Militär- und Wirtschaftskreisen verfochtenen Zentralismus. Dieser reichte von der Verteilung der bayerischen Truppen über alle Kriegsschauplätze bis zur von Berlin dominierten Kriegszwangswirtschaft. Der Kronprinz wandte sich mit Briefen und Eingaben an seinen Vater König Ludwig III. und die bayerische Regierung, meist ohne Verständnis zu finden. Er mußte damit leben, viele negative Entwicklungen vorhergesehen zu haben und doch nicht vermocht zu haben, sie aufzuhalten. Auch die Gefahr einer Revolution sah er heraufziehen, doch wurde ihm am 4. November 1918 die erwünschte Versetzung an die Front in Tirol verweigert, von wo aus er der Entwicklung in der Heimat hätte entgegensteuern können. Nach Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens trat er am 11. November von seinem Kommando zurück. Kronprinz Rupprecht protestierte in einer Erklärung gegen die Ausrufung der Republik und legte die Entscheidung über die künftige Staatsform in die Hand der bayerischen Bürger, die freilich in diesem Punkt nie um ihre Meinung gefragt wurden.

Kronprinz Rupprecht stürzte aus dem hektischen Alltag eines rastlos tätigen Heerführers in ein gleichsam schwarzes Loch. Nach seiner Heimkehr nach Bayern verfügte er weder über eine eigene Wohnung noch über eine berufliche Stellung. Zeitweise mußte er wie auch König Ludwig III vor der Räterepublik ins Exil fliehen. Einen Neuanfang in seinem Privatleben bedeutete am 7. April 1921 die Hochzeit mit Prinzessin Antonia von Luxemburg in Lenggries, wo der damalige apostolische Nuntius, Eugenio Pacelli, den Gottesdienst zelebrierte. Dem Paar wurden ein Prinz und fünf Prinzessinnen geboren. Weite Teile der bayerischen Bevölkerung und viele Politiker erstrebten in der Nachkriegszeit die Restauration der Monarchie, für die mit Kronprinz Rupprecht ein höchst qualifizierter und populärer Prätendent zur Verfügung stand. Einen ersten Höhepunkt erfuhren diese Bestrebungen am 5. November 1921 bei der Beisetzung des Königspaares in München. Der Kronprinz entzog sich jedoch der von breiten Kreisen erhofften Ausrufung der Monarchie, weil er den Tod seines Vaters und die Trauer des Volkes um den König nicht zu einem Staatsstreich ausnützen und seine legitimen Rechte nur auf legalem Weg antreten wollte. Nachdem das königliche Haus 1918 faktisch enteignet worden war, wurde erst 1923 mit der Bildung des Wittelsbacher Ausgleichsfonds eine Rechtsform gefunden, um den Unterhalt der Angehörigen der vormals regierenden Dynastie sicherzustellen und einen Teil ihres Besitzes zurückzuerstatten. Kronprinz Rupprecht brachte die Kunstsammlungen König Ludwigs I. ein. Er hielt sich den politischen Alltagsgeschäften fern, repräsentierte aber in den folgenden Jahren bei zahlreichen Versammlungen nicht nur von Patrioten- und Kriegervereinen in ganz Bayern wie ein Souverän. Für weite Kreise der Bevölkerung wirkte er als Identifikationsfigur. Als Organisation stellte sich neben einzelnen Persönlichkeiten aus den politischen Parteien, der Bayerische Heimat- und Königsbund in den Dienst des monarchischen Gedankens und der Verteidigung der Staatsqualität Bayerns.

Nach der Machtergreifung Hitlers in Berlin war Kronprinz Rupprecht bereit, Bayern als Generalstaatskommissar oder als König vor der braunen Flut zu bewahren. Als dieses Projekt am Kleinmut der Politiker gescheitert und sein Protest gegen die Gleichschaltung Bayerns bei Reichspräsident von Hindenburg ungehört verhallt war, zog er sich aus dem Öffentlichen Leben zurück. Durch seine bloße Existenz wirkte er weiter als Symbol Bayerns und der christlich - abendländischen Werteordnung. Obwohl er Kontakte zu Widerstandsgruppen vermied, um diese nicht zu gefährden, galt er dem nationalsozialistischen Regime als gefährlicher Gegner und wurde von der Gestapo überwacht. Nach Kriegsausbruch ging er ins Exil nach Italien, um beim als unvermeidlich betrachteten Zusammenbruch Deutschlands für Bayern unversehrt zur Verfügung zu stehen. Kronprinzessin Antonia wurde mit vier ihrer Töchter im Juli 1944 in Südtirol, Erbprinz Albrecht mit seiner Familie in Ungarn verhaftet und in das KZ Oranienburg - Sachsenhausen gebracht, später nach Flossenbürg und Dachau verlegt. Die Kronprinzessin sollte sich nicht mehr von den Folgen der unmenschlichen Haftbedingungen erholen und erlag 1954 ihrem Leiden.

Wieder war Kronprinz Rupprecht nach dem Ende eines Weltkriegs heimatlos geworden. Erst nachdem die amerikanische Militärverwaltung Schloß Leutstetten freigegeben hatte, konnte er, sehnsüchtig erwartet, im November 1945 in die bayerische Heimat zurückkehren. Bereits in seinem Florentiner Exil hatte sich er sich mit der Frage der künftigen Staatsform in Bayern nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur auseinandergesetzt. Nach dem Zusammenbruch des Unrechtsregimes glaubten viele Monarchisten, gestärkt durch das moralische Kapital ihres Widerstands, die Ausrufung des Königreichs durchsetzen zu können. Die Einrichtung der Institution eines bayerischen Staatspräsidenten, für die der Kronprinz als aussichtsreichster Kandidat galt, scheiterte im September 1946. Kronprinz Rupprecht lebte trotzdem als Repräsentant des ganzen Landes in Bayern und erfüllte die Aufgaben eines Staatsoberhauptes. Seine Autorität und sein Ansehen halfen, die besten bayerischen Traditionen über die Brüche von zwei Weltkriegen hinweg zu retten, in die Bayern ohne sein Zutun hineingerissen worden war.

Rupprecht von Bayern trug eine unsichtbare Krone. Er war König von Bayern, auch wenn ihn nur Vertraute als Majestät anredeten. Der bedeutende Historiker Max Spindler hat den „Bayernkönig nach der Herzen Wahl“; (Josef Maria Lutz) einfühlsam gewürdigt: Konnte er auch nicht als König für Bayern wirken, so hat er dem bayerischen Land und Volk nach 1918, nach 1945, doch einen Dienst erwiesen, wie nur er ihn erweisen konnte: Durch seine Person hat er die bayerische Vergangenheit mit ihren Werten über das Jahr 1918 hinweg in die Gegenwart hereingerückt und die Gegenwart lebendig erhalten, als eine Mahnung, dieser Werte immer eingedenk zu bleiben.

Zusammenfassung eines Vortrages von Professor Dieter J. Weiß

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